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Johannes Stober

Landtagsabgeordneter 2006 – 2016
Ein Rückblick auf 10 Jahre politische Arbeit.



Trost und Freude nach nervenaufreibenden Stunden

BNN:
Freude oder zumindest Erleichterung bei den einen, tief enttäuschte Mienen, Frust und Schock bei vielen anderen: Ganz unterschiedliche Reaktionen ruft das Abstimmungsergebnis am Wahlabend bei den Kandidaten, Parteimitgliedern, Wahlkämpfern und Sympathisanten je nach Abschneiden des jeweiligen Favoriten hervor.

Grüne

Im Café Pan lassen die Karlsruher Grünen den nervenaufreibenden Wahlabend einigermaßen gelassen ausklingen. In einer Ecke mit Teetisch und Plüschsessel ist eine Wahlkreiskarte von Baden-Württemberg auf die Wand projiziert, viele Flächen sind grün gefüllt: gewonnene Direktmandate. In der Luft liegt ein Duft von Kardamom und Zimt. Stimmengewirr füllt den Raum, auch einzelne angeregte Diskussionen, bunte Schals in Erd- und Regenbogenfarben setzen optische Akzente. Die Stimmung ist nicht überschäumend, getröstet werden immerhin muss hier niemand. „Durch die hellblauen AfD-Wahlkreise statt ab und zu einem roten für die SPD wird die Freude erheblich gedämpft“, sagt Gisela Splett, die Karlsruher Staatssekretärin im Stuttgarter Verkehrsministerium, was die Grünen empfinden. Davon abgesehen sind die Parteifreunde stolz und zufrieden mit dem Wahlausgang. Bettina Lisbach und Alexander Salomon kommen lange nicht zum Sitzen, viele drängen sich zu ihnen durch und wollen gratulieren. „Nach fünf Jahren an der Regierung so ein Ergebnis einzufahren – wer hätte das vorhergesagt?“, fragt Splett. Auch Renate Rastätter erinnert sich an ganz andere Zeiten. 36 Jahre ist sie bereits bei den Grünen, hat Höhen und Tiefen erlebt. Gestern Abend sieht sie vor allem die Bestätigung grüner Politik im Land. Und da sie Kretschmann aus 15 gemeinsamen Jahren im Landtag kennt und schätzt, freut sie sich umso mehr darüber, dass es möglicherweise mit diesem Ministerpräsidenten weitergeht.

CDU

Einen harten Aufschlag müssen Karlsruhes Christdemokraten verdauen. Die meisten sind still, mancher lässt die Mundwinkel hängen im „E 4“ an der Erbprinzenstraße. Zu den Versammelten, darunter Bettina Meier-Augenstein mit ihrer Familie, gesellt sich endlich Katrin Schütz, gerade von Stuttgart zurückgereist. „Es ist ein schwerer Abend für uns, die CDU Karlsruhe“, sagt Kreisverbandsvorsitzender Ingo Wellenreuther. „Die beiden Kandidatinnen haben Vollgas gegeben, mehr ging nicht.“ So hätten sie auch geringere Verluste eingefahren als die Partei landesweit. Aber das tröstet nicht wirklich. „Das Ergebnis ist wirklich schlimm“, sagt Schütz. Sie habe gehofft, „dass in Karlsruhe die zehn Jahre zählen, in denen man gekämpft und verhindert hat, dass Institutionen abgezogen werden.“ Dann sagt die Generalsekretärin der Landes-CDU „Danke für tolle Jahre“, mit ruhiger Stimme und lächelnd, „es war schön, Seite an Seite zu kämpfen.“

Ebenfalls gefasst spricht Meier-Augenstein, es kostet sie aber sichtbar Anstrengung. „Das ist heute sehr bitter“, gibt sie zu und prophezeit: „Die Menschen werden noch erwachen. Hagsfeld zum Beispiel will entlastet werden, da sind jetzt die Grünen gewählt – die Entlastung wird es einfach nicht geben.“ Als Ansprechpartner seien die bisherigen Karlsruher CDU-Landtagsabgeordneten nun nicht mehr da. Hart sei das Ergebnis nach einem sehr intensiven Wahlkampf auch für die Familie. „Ihr wart tapfere Mädels in den vergangenen Monaten“, lobt sie ihre kleinen Töchter.

SPD

Echter Jubel kommt in Reihen der Karlsruher SPD gestern Abend nur einmal auf: Als Kreisverbandsvorsitzender Parsa Marvi seinem Genossen und Landtagsabgeordneten Johannes Stober in der Café-Bar „Gelbe Seiten“ am Rondellplatz für die vergangenen zehn Jahre im Landtag dankt. Bei Stober fließen daraufhin tatsächlich ein paar Tränen. Auch wenn es die Karlsruher SPD-Mitglieder aufgrund der Prognosen geahnt hatten, am Ende sitzt der Schock über die Ergebnisse tief – beim einen mehr, beim anderen weniger. „Ich bin für die Zeit im Landtag sehr dankbar, muss mich jetzt aber natürlich neu orientieren“, sagt Stober sichtlich bewegt.

Die Erschütterung über das Ergebnis ist auch Hohenwettersbachs Ortsvorsteherin Elke Ernemann anzusehen. „Einen solchen Tag habe ich in 42 Jahren Parteizugehörigkeit noch nicht erlebt. Aber wir kommen da wieder raus.“ Darin sind sich die Mitglieder trotz gedrückter Stimmung einig. „Die Menschen in Baden-Württemberg werden merken, dass die SPD fehlt“, gibt sich Stober ebenso kämpferisch wie die Kandidatin Meri Uhlig. „Wir müssen diese Krise als Chance nutzen“, ruft sie ihren Genossen vom Podest aus zu. Das schlechte Ergebnis sei ein Denkzettel für ihre Partei. „Die Menschen haben Winfried Kretschmann als Person gewählt und SPD und CDU die Quittung für die Bundespolitik verpasst. Dass wir in der Landesregierung einen guten Job gemacht hat, ist bei den Leuten nicht angekommen. Das heißt, wir müssen auch an unserer Kommunikation arbeiten“, fordert Uhlig.

FDP

Getragenes Klavierspiel des Pianisten Marlon Oster läutet die FDP-Wahlparty in der Hemingway Lounge ein. So zurückhaltend wie die Musik ist am Wahlabend trotz dem guten Abschneiden mit landesweit über acht Prozent auch die Stimmung bei den Karlsruher Liberalen. Zufriedenheit mit dem Erreichten ist zwar durchaus spürbar, und der langjährige Bürgermeister Ullrich Eidenmüller spricht auch von „Bestätigung für die gute Arbeit“ und Lohn für einen „engagierten Wahlkampf“. Aber Hendrik Dörr hat den Einzug in den Landtag ebenso klar verpasst wie Tom Høyem, der die Enttäuschung darüber kaum verbergen und erst nach einer launigen Ansprache von Parteifreund Hubert Lechner wieder herzhaft lachen kann.

Für Diskussionsstoff sorgt die Regierungsbildung. Schließlich kann die FDP gemeinsam mit der SPD Zünglein an der Waage spielen und entweder Guido Wolf oder Winfried Kretschmann zum Ministerpräsidenten küren. Die Meinungen über das „Wer mit wem“ gehen bei den Liberalen an diesem Abend noch arg auseinander. Eidenmüller empfiehlt seiner Partei den freiwilligen Gang in die Opposition. „Man muss sich in einer möglichen Koalition auch inhaltlich wiederfinden“, betont Eidenmüller. Das Ergebnis der Landtagswahl wirke auch auf die Kommunalpolitik, findet er. „Nach dieser Niederlage kann die SPD in Karlsruhe eigentlich keinen Anspruch auf eine zweite Bürgermeisterstelle erheben“, sagt er und schlägt so die Werbetrommel für eine Verlängerung der Amtszeit von FDP-Bürgermeister Michael Obert.

AfD

Als die letzten baden-württembergischen Wahlkreise gegen 21.30 Uhr ausgezählt sind, ertönt bei der Wahlparty der Karlsruher AfD im Karl-Benz-Saal die Siegerhymne „We are the Champions“. Mit einem Glas Sekt in der Hand lassen sich die Kandidaten Paul Schmidt und Marc Bernhard von Freunden und Unterstützern fürs gute Abschneiden der AfD und ihren Einsatz im Wahlkampf feiern. Dass es für beide nicht für den Einzug in den Landtag reichen wird, stand bereits kurz nach der ersten Hochrechnung fest. „Dass wir in einer Großstadt wie Karlsruhe etwas unter dem Landesdurchschnitt bleiben, war zu erwarten“, sagt Bernhard. Dem Physiker Schmidt sind die Strapazen der vergangenen Wochen anzumerken. „Viele Anfeindungen“ hätten ihm zugesetzt. Bald weicht die Euphorie einer gewissen Sachlichkeit. „Es wird viel Arbeit auf uns zukommen“, ahnt Bernhard. Dass ihre Partei von vielen Protestwählern profitiert hat, verhehlt er nicht, aber jetzt könne die AfD ihre „Inhalte endlich im Landtag vertreten“.