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Johannes Stober

Landtagsabgeordneter 2006 – 2016
Ein Rückblick auf 10 Jahre politische Arbeit.



Eltern wollen Ganztags für Grundschüler

BNN -
Die Ganztagsgrundschule steigt auf zum Lieblingsmodell Karlsruher Eltern. Eine Kombination aus Schule und Hort bleibt ebenfalls attraktiv. Nachmittagsbetreuung an allen fünf Schultagen der Woche sowie qualifiziertes Betreuungspersonal sind für die meisten Eltern die entscheidenden Kriterien bei der Wahl der Betreuung. Das sind die wichtigsten Ergebnisse der flächendeckenden Bedarfsabfrage der Stadt im November 2015. Das mit Spannung erwartete Resultat stellten Schuldezernent Martin Lenz, weitere beteiligte städtische Amtsleiter sowie die Leiterin des Staatlichen Schulamts Karlsruhe, Elisabeth Groß, gestern vor.

Eltern aller 2 648 Karlsruher Kinder, die in gut sechs Monaten eingeschult werden, erhielten über 187 Kindertagesstätten und neun Grundschulförderklassen Fragebögen. Sie konnten darin detailliert angeben, ob und welche Betreuung sie ab September bevorzugen. Zurück kamen exakt 1 559 ausgefüllte Bögen – fast 60 Prozent. Die Daten seien somit repräsentativ und belastbar, resümiert Lenz. Die Komplettauswertung stehe noch aus.

Zur Ganztagsgrundschule nach „Karlsruher Modell“ – nämlich überdurchschnittlich ausgestattet mit städtisch finanzierten Erziehungsfachkräften – tendieren fast 40 Prozent der Antwortenden. Schule plus Hort will ziemlich genau jede dritte Familie mit Schulstarterkind (32,6 Prozent).

Ein Viertel der auskunftgebenden Eltern strebt ein ergänzendes Betreuungsangebot an, das der „verlässlichen Grundschule“ im Halbtagsmodus entspricht. Flexible Nachmittagsbetreuung und Tagespflege sind bei den Nennungen weit abgeschlagen mit 2,3 und 0,3 Prozent.

Zentrale Schlussfolgerungen ziehen Stadt und Staatliches Schulamt aus der Umfrage, die in Umfang, Methode und Erarbeitung in Kooperation mit den Gesamtelternbeiräten von Kindertagesstätten und Schulen bundesweit ihresgleichen sucht. Aus dem Vergleich mit einer Elternumfrage im Jahr 2011 leiten sie eine Trendwende ab. Damals wählten noch gut 42 Prozent der Eltern den Schülerhort auf Platz eins, während einen Ganztagsplatz für ihr Grundschulkind seinerzeit nur halb so viele Eltern wie jetzt (21,3 Prozent) favorisierten. Das Verhältnis hat sich nun umgekehrt. Zum einen gab es anfangs erst vier Ganztagsgrundschulen, inzwischen sind es 17, was auch die Erfahrungswerte vervielfachte. Die Verantwortlichen für Karlsruhes Schullandschaft sehen in der nun bekundeten 40-Prozent-Tendenz zur Ganztagsgrundschule auch eine klare Anerkennung der Arbeit der Pädagogen an Karlsruhes Ganztagsgrundschulen. Die Entwicklung zu wachsendem Betreuungsanspruch werde sich noch verstärken, prognostizieren sie. Gleichzeitig unterstreicht aber Bürgermeister Lenz: „Der Hort wird nicht aussterben. Die Wahlfreiheit für Eltern bleibt oberstes Leitziel.“

Der springende Punkt in den kommenden Jahren wird Lenz zufolge die Angebotsentwicklung in einzelnen Stadtteilen sein. Mit Ausnahme der Grundschulen am Wasserturm (Südstadt-Ost) und Heinrich-Köhler-Grundschule (Rintheim) bieten Karlsruhes Ganztagsstandorte auch Halbtagsunterricht an. Das soll Wohnortnähe und Wahlfreiheit erhalten. Doch kann ein neues Ganztagsschulangebot Eltern Wahlmöglichkeiten kosten, wie aktuell in Durlach-Aue.

Schulamtsleiterin Groß brachte gestern den Genehmigungsbescheid für zwei Karlsruher Veränderungsanträge mit. Nur formal umdeklariert wird die Marylandschule in der Nordstadt, aber die tatsächliche Umwandlung der Oberwaldschule in Aue bringt das Auslaufen des Schülerhortes nebenan. Eltern hatten vergeblich dagegen protestiert mit dem Hinweis, die versprochene Wahlfreiheit werde ihnen durch die Hortschließung genommen.

Eine gegensätzliche Entwicklung zeigt die Südendschule in der Südweststadt. Dort werde die Stadt weitere Hortgruppen schaffen, weil sie die Verantwortung dafür habe, 60 bisher unversorgten Kindern eine entsprechende Betreuung zu organisieren, sagte Josef Seekircher, Leiter der Sozial- und Jugendbehörde. Schulamtsleiterin Groß und Joachim Frisch, städtischer Schul- und Sportamtschef, kündigten zum 1. Oktober 2016 neue Ganztagsanträge ans Land für zwei oder drei weitere von Karlsruhes insgesamt 46 Grundschulen an.

Die Karlsruher Landtagsabgeordneten Johannes Stober (SPD), Gisela Splett und Alexander Salomon (beide Grüne) begrüßten gestern die Bewilligungsbescheide der aktuellen, dritten Antragsrunde. Die Entwicklung zeige, dass die Verankerung der Ganztagsschule im Schulgesetz überfällig gewesen sei. Das erweiterte Angebot sei wichtig für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und für neue Gestaltungsmöglichkeiten des Lernens. Laut Kultusministerium starten 75 der 85 jetzt genehmigten Ganztagsgrundschulen Angebote in Wahlform. Stober, SPD-Landtagskandidatin Meri Uhlig und SPD-Gemeinderatsfraktion werteten das Ergebnis der Karlsruher Elternumfrage gestern als „klare Bestätigung der Schulpolitik von Stadt und Landesregierung“.