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Johannes Stober

Landtagsabgeordneter 2006 – 2016
Ein Rückblick auf 10 Jahre politische Arbeit.



Farbenrausch und ein Hauch von Landlust

BNN -
Nun wird in Deutschland seit gefühlt ewigen Zeiten Wahlkampf gemacht – aber eines haben die Wahlkämpfer und Parteien noch nicht erfunden: Einen Kleber, der nicht nur hält, sondern auch tagelanges Regenwetter übersteht. Diesen Kleber gibt es anscheinend immer noch nicht. Viele Kandidatenbilder auf den Plakatständern entlang der Karlsruher Straßen und an den Laternenmasten haben Runzeln und Falten, der Dauerregen vom Wochenende hat den Landtagskandidaten bereits arg zugesetzt. Doch im trüben Spätwinterwetter setzen die um Aufmerksamkeit buhlenden Parteien auf knackige Farben. Die Wahlkampfvorgaben der Landesparteien bekommen in Karlsruhe natürlich eine lokale Ausprägung. Gutes Aussehen ist dabei unersetzlich: Alle können sich in Natura durchaus sehen lassen, dennoch – Photoshop sei dank – sehen sie auf den Plakaten natürlich aus wie frisch lackiert. Wenn man mal die Folgen des Regens vernachlässigt.

Spitzenreiter beim Gebrauch der Farbpalette ist dabei erkennbar die FDP. Deren Kandidaten Hendrik Dörr und Tom Høyem kommen im psychedelischen Farbrausch und gleich mehrfach abgebildet daher, dies auch auf Großflächenplakaten. Beispielsweise an der Europahalle, dort gibt es Hendrik Dörr zusätzlich noch in Gelb, Blau und Rot, der neue liberale Mehrklang. Wofür steht das? Ein Liberaler leistet so viel wie gleich vier Mann? Bei den Bundestagswahlen hat man zwei Stimmen, bei den Landtagswahlen aber nur eine. Welcher Liberale bekommt dann die Stimme, der rote, gelbe oder blaue? Bei den kleinen Plakaten reicht es nur für den doppelten Kandidaten, etwa Tom Høyem („Mehr Karlsruhe in Stuttgart“) in Grau und daneben in Blau. Es erinnert ein bisschen an die alte Fernsehwerbung von der Frau, die neben sich steht und sich kritisch fragt, ob sie beim Waschen der Gardinen das falsche Waschmittel benutzt hat.

Bei der CDU setzt man auf knalliges Orange, entweder eine strahlende Katrin Schütz in Orange oder eine eher zurückhaltend-freundliche Bettina Meier-Augenstein, ebenfalls in Orange. Auch hier tauchen im Stadtgebiet die ersten Großflächenplakate jenseits der Spitzenkandidaten auf. Katrin Schütz hat für zwei Motive wechselnde Gruppen von hiesigen Christdemokraten um sich gesammelt. Beim schnellen Vorbeifahren erkennt man neben Schütz nur einen weiteren halbwegs prominenten Karlsruher Christdemokraten auf dem Plakat, nämlich Stadtrat Detlef Hofmann, einst Olympiasieger im Kanu. Und der aufmerksame Beobachter bemerkt: Schütz wechselt darauf auch ihren Blazer: Auf einem Großflächenplakat trägt sie einen weißen, auf dem anderen einen gelben. Aller guten Dinge sind drei: Auf ihrem Portraitplakat ist es ein dunkler Blazer.

Bei der SPD setzt man ebenfals auf einige teure Großflächenplakate. Hier wird gestrahlt auf Teufel komm raus und das mal vier. Johannes Stober und Meri Uhlig lassen sich von ihren Ersatzkandidaten Raphael Fechler und Sibel Uysal begleiten. Für ihre Portraitplakate haben Uhlig und Stober offenbar unterschiedliche Fotografen beauftragt. Stober fällt auf durch die Betonung eines energischen Kinns – das soll wohl seine mittlerweile zehnjährige Erfahrung im Landtag unterstreichen, während Uhlig eher auf die klassische Portraitfotografie setzt. Bei den Grünen erkennt man dagegen den Trend zum Retro-Design. Alles glücklich in Grün, ein Hauch von „Landlust“-Design weht durch die Grünen-Plakate. Alexander Salomon und Bettina Lisbach stehen in nur ungenau erkennbarer grüne Natur. Wobei Salomon etwas entfernter im grünen Hintergrund wirkt wie Bettina Lisbach. Die Natur kann man nicht genau lokalisieren, es könnte ein Hinterhof sein, auch ein Waldstück, hoffentlich nur einheimische Gehölzer. Das passt zu jenem grünen Wahlplakat, das eine glückliche Kleinfamilie vor der Bücherwand mit Holzspielzeug abbildet.

Bei der Partei Die Linke wird auf allen Wahlplakaten irgendwie hart gearbeitet, nur die Kandidaten Sabine Skubsch und Michel Brandt dürfen beschäftigungslos durch die Gegend schauen. Vor allem rund ums Staatstheater und in der Südstadt ist die Quote der Brandt-Plakate hoch, vielleicht eine Anspielung auf den Job Brandts als Schauspieler. Da gibt es dann offenbar auch erkennbar rührige Unterstützer, denen die Plakateflut noch nicht reicht. Sie bringen zusätzlich Brandts Namen und Bild samt einem coolen Spruch („Best Brandt in Town“) auf Türen, Zigarettenautomaten und sonstige Flächen.

Speziell in der Südstadt fällt allerdings auf, dass die auf Pappe oder Plastiktafeln gebannten Kandidaten ein hartes Leben haben. Denn dort ist die Quote der mit allerlei dämlichen Bemerkungen versehenen, beschrifteten, beschmutzten, verunstalteten oder gar zerstörten Plakaten besonders hoch – und zwar unterschiedslos bei allen Parteien. Die Plakatierer der AfD haben dagegen erkennbar Vorkehrungen getroffen. Die blauen Plakate mit den Portraits von Marc Bernhard und Paul Schmidt hängen vorzugsweise hoch oben an Masten und Laternen, wo niemand so schnell dran kommt.