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Johannes Stober

Landtagsabgeordneter 2006 – 2016
Ein Rückblick auf 10 Jahre politische Arbeit.



Vor allem Universitäten müssen nacharbeiten

Stuttgarter Nachrichten - vom 09.03.2010

STUTTGART. Dass Studenten, Professoren, Politiker und Manager einer Meinung sind, kommt eher selten vor. Beim Thema Bachelor- und Masterstudiengänge ist das der Fall: Vor allem an den Universitäten habe die große Studienreform ihr Ziel bisher verfehlt, kritisierten Vertreter aller Gruppen am Montag beim Bologna-Kongress des Wissenschaftsministeriums in Stuttgart. Statt mehr Durchlässigkeit und Mobilität gebe es Probleme bei der Anerkennung von Studienleistungen, statt Internationalisierung kaum Zeit für ein Auslandssemester. Auch die angestrebte Berufsbefähigung der Bachelorstudenten sei nicht erreicht worden.

Die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) angestrebte Anhebung der Studierendenquote auf 40 Prozent eines Jahrgangs überfordere die Hochschulen, erklärte die Bildungssjournalistin Heike Schmoll. "Berufsqualifizierende Massenausbildung im engen Sinn und akademische Bildung auf hohem Niveau sind nicht miteinander zu vereinbaren." Die Hochschulen müssten sich wieder stärker auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren: die Universitäten auf Erkenntnis, die Fachhochschulen und das berufliche Bildungssystem auf eine berufsspezifische Ausbildung.

Die Hochschulen in Deutschland müssten sich stärker den sich verändernden gesellschaftlichen Bedingungen anpassen - etwa einem deutlichen Anstieg von Studenten mit Migrationshintergrund, forderte dagegen der Politikwissenschaftler Hans Weiler, der jahrzehntelang an der renommierten Stanford University in Kaliforniern lehrte. In den USA erleichterten sogenannte Community Colleges - eine Art Volkshochschule - Studenten aus bildungsfernen Familien den Zugang zum Studium.

Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) zeigte sich offen für mehr Flexibilität. Denkbar seien zum Beispiel Orientierungssemester oder ein Studium mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Zudem will er die Zulassung neuer Studiengänge erleichtern - nach dem Vorbild der Schweiz. "Das derzeitige Akkreditierungssystem in Deutschland ist nicht hochschulgerecht und verschleudert Ressourcen", sagte Hans Weder, ehemaliger Rektor der Universität Zürich. Je mehr Freiheit die Hochschulen hätten, desto besser seien sie in der Regel.

Die Hochschulen sollten sofort von der Pflicht zur Überprüfung von Studiengängen durch Akkreditierungsagenturen befreit werden, forderte die hochschulpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Theresia Bauer. Falsch sei auch, maximal eine Dauer von zehn Semestern für Bachelor und Master zusammen vorzuschreiben, sagte der SPD-Abgeordnete Johannes Stober. Auch Dietmar Bachmann (FDP) forderte mehr Spielraum für die Hochschulen.

1999 hatten 30 europäische Staaten in Bologna vereinbart, bis zum Jahr 2010 einen gemeinsamen europäischen Hochschulraum zu schaffen. Dazu wurden die bisherigen Diplom- und Magisterstudiengänge auf die international anerkannten Bachelor- und Masterstudiengänge umgestellt. Wegen der zunehmenden Verschulung und der steigenden Prüfungsbelastungen waren im letzten Wintersemester Tausende von Studenten auf die Straße gegangen. "Ich würde nicht mehr Volkswirtschaft studieren", erzählte gestern eine Studentin, die zum ersten Bachelorjahrgang gehört. "Ich hoffe nur, dass den Reden jetzt Taten folgen."