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Johannes Stober

Landtagsabgeordneter 2006 – 2016
Ein Rückblick auf 10 Jahre politische Arbeit.



Frankenberg: Mancher Bachelor verengt Horizont

Badische Neueste Nachrichten - vom 09.03.2010

Stuttgart. Neue Töne im Südwesten: Der baden-württembergische Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) hat die Universitäten zur Rückbesinnung auf ein breites akademisches Studium aufgefordert. Dies gelte auch für die schnellen Bachelor-Studiengänge, die zuletzt bei Studenten und Professoren heftig in die Kritik geraten waren. „Wir haben Bachelor, die horizontverengend wirken statt horizonterweiternd“, sagte Frankenberg gestern bei einem Bologna-Kongress des Landes in Stuttgart.
Dies sei aber keine Kehrtwende, betonte der Minister auf Nachfrage, obwohl er damit einen Hauptpunkt der Bachelor-Skeptiker aufnahm. Vielmehr sei die vom Bachelor geforderte Beschäftigungsfähigkeit („Employability“) oft missverstanden worden. „Mit direkter Berufsvorbereitung hat das nichts zu tun“, sagte Frankenberg. Im Mittelpunkt müsse an der Universität methodisches Wissen stehen. Nötig seien auch mehr Freiräume „zum selbstbestimmten Studium.“
Frankenberg sagte, mit dem vom Bund zugesagten Geld für bessere Lehre ließen sich Einführungssemester und ähnliche Angebote finanzieren. Das Land hat bereits einen Wettbewerb für ein Studium individueller Geschwindigkeit ausgeschrieben. Bei dem Kongress sprach sich auch Bildungs-Experte Hans Weiler von der Universität Stanford für solche Programme aus. „Die deutschen Hochschulen haben die Chancen einer grundlegenden Neuorientierung ihrer Studienangebote nicht genutzt“, sagte er. Nötig sei mehr Flexibilität. Die Angebote müssten sich noch mehr differenzieren - etwa in forschungs- und berufsorientierte.
Frankenberg sagte, es sei nicht überraschend, dass es bei einer so großen Reform Diskussionen gebe. Europas Wissenschaftsminister hatten sich 1999 in Bologna auf einen einheitlichen europäischen Hochschulraum geeinigt. Frankenberg bemängelte bei dem Kongress unter anderem den Trend zu Zusatzqualifikationen im Studium, etwa in Präsentationstechniken, sogenannte Soft Skills. „Das kann ich machen, wenn ich noch Zeit übrig habe“, sagte er. „Im Vordergrund hätte immer die akademische Qualifikation stehen sollen.“ Zudem ließen sich Teamfähigkeit und Vortragsstil auch in den wissenschaftlichen Seminaren trainieren. Während der Bachelor-Umstellung war die Zahl neuer Angebote zur Vorbereitung auf die Arbeitswelt explodiert. Für berufsnahe Angebote strich Frankenberg die Rolle der Berufsakademien und Fachhochschulen heraus.
Auch von der Debatte darüber, ob der Bachelor der Regelabschluss sein soll, setzte sich Frankenberg bei dem Kongress ab. Nun sagte der Minister: „Letztlich ist der Regelabschluss dann der, der in der Regel gemacht wird.“ Dies könne je nach Fach verschieden sein.
Der Karlsruher SPD-Bildungsexperte Johannes Stober forderte Frankenberg auf, klare Korrekturen vorzunehmen und den Hochschulen mehr Freiheit bei der Gestaltung der Studiengänge zu gewähren.