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Johannes Stober

Landtagsabgeordneter 2006 – 2016
Ein Rückblick auf 10 Jahre politische Arbeit.



Gegen den Leistungsdruck

Badische Neueste Nachrichten - vom 12.01.2010

Sie hat Vertrauen in die Kinder. Zuerst hört Lisette ruhig zu, wenn ein Streit in der Kindergartengruppe ausgebrochen ist. „Das passiert, wenn man mit Stöcken spielt. Zurückschlagen, nein, das ist keine gute Idee. Ihr entscheidet, was Ihr weiter machen wollt.“ Ein paar klärende, sanfte Worte genügen und die kleinen Menschen finden alleine wieder zueinander.  Nach 33 Jahren verlässt die Erzieherin ihren kleinen Kindergarten am Waldrand, eine von 41 staatlich geförderten Eltern-Kind-Initiativen in Stuttgart. Regisseurin Sigrid Klausmann-Sittler, deren eigene Kinder bei Lisette waren, hat die aus Holland stammende Erzieherin während ihres letzten Berufsjahres begleitet und einen anrührenden Dokumentarfilm gedreht, den ihr Ehemann Walter Sittler gemeinsam mit Florian Fickel produzierte. Das Besondere an diesem Film ist die in den stillen Nahaufnahmen gezeigte Innigkeit zwischen Erzieherin und Kind. An dem leisen unspektakulären Duktus spürt der Zuschauer sofort: Hier geht es um ganz große, wichtige Themen – wie fördern wir unsere Kinder, wie bereiten wir sie auf die Zukunft vor?
Im prall gefüllten Kammertheater gab es nach der Karlsruher Premiere anhaltenden Applaus für die Filmemacher und für den Hausherrn Bernd Gnann, der sofort bereit war, den Film im Kammertheater zu zeigen, nachdem sich kein Kino dafür hatte finden lassen. Viele Gäste bedankten sich bei den Sittlers für diesen Film, der Eltern und Erziehern Mut macht. Mut, die Stärken der eigenen Kinder zu sehen und nicht immer nur ihre Defizite. Auch Produzent Fickel (selbst zweifacher Vater) gab zu, dass es manchmal schwierig sei, den Druck auszuhalten, wenn alle Nachbarskinder mit fünf Jahren bereits Geige übten, während die eigenen Kinder „nur mit Stöckchen“ spielten. Kinder, die bereits von klein an starkem Druck ausgesetzt sind, könnten nur schwer ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln.  „Wir sollten mehr Vertrauen in unsere Kinder haben“, meinte Walter Sittler anschließend im Gespräch. Johannes Stober, Landtagsabgeordneter der SPD, möchte mit diesem Film einen Diskussionsprozess anstoßen und überlegt, wie sich diese Ansätze in der Stadt realisieren lassen. Es werde zu wenig anerkannt, bekannte Klausmann-Sittler, welch wichtige Fähigkeiten beim Spielen erworben werden. Lehrpläne für den Kindergarten seien der falsche Weg. Manch anwesende Erzieherin fühlte sich durch den Film bestätigt, wohingegen andere Eltern ratlos äußerten, am leistungsorientierten Schulsystem sei ja nicht zu rütteln. Realität ließe sich ändern, erklärte Walter Sittler bestimmt. Kleinere Klassen, kleinere Gruppen, dafür müssten sich Eltern gegenüber der Politik stark machen. Lehrer und Kinder müssten anstelle von Modulen und Lerninhalten wieder in den Mittelpunkt rücken. Wie resümierte eine Zuschauerin: „Wir sollten unseren Kindern mit Wertschätzung und Interesse begegnen, sie ohne permanenten Leistungsdruck oder falsche Signale fördern, damit sie für die Zukunft kreative Lösungen finden. Das ist Bildung, die wir brauchen.“ Ute Bauermeister
Weitere Vorstellungen
Aufgrund des großen Andrangs nicht wie geplant in der Marktlücke, sondern weiterhin im Kammertheater: Sonntags, 17., 24. und 31. Januar sowie 7. Februar jeweils um 11 Uhr.