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Johannes Stober

Landtagsabgeordneter 2006 – 2016
Ein Rückblick auf 10 Jahre politische Arbeit.



Zwischen Traum und Realität

Badische Neueste Nachrichten - vom 13.02.2010

dis. „Für mich war dieser Umgang mit den Kindern einfach selbstverständlich“. So einfach kann pädagogische Arbeit sein. Jedenfalls bei Erzieherin Lisette Siek-Wattel, die im Dokumentarfilm „Lisette und ihre Kinder“ die Hauptrolle spielt. Der Film – er wird im Februar jeden Sonntag um 11 Uhr im Kammertheater gezeigt – macht derzeit Furore, weil er zeigt, wie Kinderbetreuung im Idealzustand aussieht.
Diesen strebt auch die SPD-Landtagsfraktion an, die zu einem Podiumsgespräch in die Schauburg eingeladen hatte – in Anwesenheit der Hauptdarstellerin und der Regisseurin Sigrid Klausmann. Der SPD-Landtagsabgeordnete Johannes Stober leitete die Diskussion, zu der sich vor allem Erzieherinnen eingefunden hatten. Eine kleine Gruppe mit acht Kindern, die viel Verständnis und Akzeptanz durch die Leitung erfahren, alles spielt sich in der Natur ab – das sind die Zutaten, die den Stuttgarter Regelkindergarten im Film zu einem Vorbild machen, das vielen Erzieherinnen wie ein Traum vorkommen muss.
Die Realität sieht meist anders aus: zu große Gruppen, zu wenig Zeit für das einzelne Kind und dessen individueller Förderung sowie – aus Sicht des Personals – fehlende Anerkennung durch eine leistungsgerechte Bezahlung. „Es gibt einen berechtigten Frust“, sagt eine Besucherin im sehr gut gefüllten großen Saal der Schauburg. Das Land denke, man müsse lediglich einen Wickeltisch aufstellen und dann „macht man auf Krippe“. Man brauche mehr Flexibilität, gute Räume und gutes Personal, fährt sie fort. Und diese Kritik stößt auf die Zustimmung vieler Anwesender.
Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Frank Mentrup, nimmt solche Kritik gerne auf, zeige sie doch, wie viele Baustellen es in der Bildungspolitik des Landes gebe. Er will unter anderem die Gruppengröße in den Kindergärten verringern und sprach sich dafür aus, dass für zehn Kinder eine Erzieherin zuständig sein sollte.
Die Umsetzung will Mentrup so weit wie möglich die Einrichtungen selbst organisieren lassen. „Wir müssen einen Rahmen und eine Atmosphäre schaffen, die Bindungen und Beziehungen möglich machen“, sagt er. Der Leiter des Studiengangs „Sprachförderung- und Bewegungserziehung“ an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe (PH), Ulrich Wehner, hat hingegen ein ganz anderes Problem: Seine Bachelor-Absolventen, die jetzt zum ersten Mal einen Arbeitsplatz suchen, seien im Beschäftigungssystem Kindergarten noch gar nicht vorgesehen.
Der frühere Karlsruher Sozialbürgermeister Harald Denecken (SPD) eröffnet indes an diesem Abend gleich mehrfach den Landtagswahlkampf für den Urnengang im kommenden Jahr: „Dann müsst ihr eben anders wählen, um andere Kindergärten zu bekommen.“ Geld sei da, aber wie es verteilt werde, das bestimme der Bürger.