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Johannes Stober

Landtagsabgeordneter 2006 – 2016
Ein Rückblick auf 10 Jahre politische Arbeit.



Hauptschulen haben große Probleme

Badische Neueste Nachrichten - vom 27.01.2010

eki. Es war kein einfacher Abend für Katrin Schütz. Die Karlsruher Landtagsabgeordnete der CDU nahm am Montag an einer Podiumsdiskussion an der Pädagogischen Hochschule (PH) zum Thema „Hauptschule am Ende?“ teil und versuchte, die Bildungspolitik von Kultusminister Helmut Rau (CDU) zu verteidigen, für sie offenbar keine leichte Aufgabe.
So wich Schütz denn auch bei einigen Fragen aus und verwies stattdessen auf künftige Investitionen in das Schulwesen. Dazu kam, dass die schärfste Kritikerin am baden-württembergischen Schulsystem aus den eigenen Reihen stammt: Die Karlsruher CDU-Stadträtin Christiane Staab hatte wenige Stunden vor der Diskussion „aus Frust über die Bildungspolitik“ ihr Amt als Vorsitzende des Landeselternbeirats niederlegt (siehe auch Südwestecho). Schütz tat sich schwer, Argumente für einen Fortbestand der Hauptschulen zu finden, auch angesichts der Zahlen: Weniger als jeder fünfte Grundschüler wechselt in Karlsruhe auf die Hauptschule. Doch so lange es diese Schulart noch gebe, solle man „die Hauptschulen bitte nicht schlecht reden“, appellierte Schütz.
„Die Hauptschulen haben im dreigliedrigen Schulsystem große Probleme – das ist bekannt“, unterstrich Gastgeberin und PH-Rektorin Liesel Hermes bei der vom ehemaligen Schulbürgermeister Harald Denecken initiierten Diskussionsrunde.
Die 19. Sozialerhebung habe zudem erneut gezeigt, dass Kinder aus sozial schwächeren Familien bei gleicher Begabung schlechtere Chancen aufs Abitur und ein Studium hätten, fuhr Hermes fort, trotzdem sei aber in Karlsruhe der angedachte Versuch einer Modellschule mit gemeinsamem Lernen bis Klasse zehn abgelehnt worden – vom Kultusminister höchstpersönlich. Allerdings wolle sie keine „Rau-Schelte“ betreiben, so Hermes, sondern gemeinsam mit der Politik nach konstruktiven Lösungen für eine Neuorientierung des Schulsystems suchen. „Die Zukunft liegt in einem differenzierteren System, bei dem die Kinder nicht so früh getrennt werden“, forderte Renate Rastetter, Landtagsabgeordnete der Grünen. Die bildungspolitische Sprecherin ihrer Faktion setzt sich für ein längeres gemeinsames Lernen mit individueller Förderung ein.
Auch der SPD-Landtagsabgeordnete Johannes Stober machte sich für Modellversuche stark, um neue bildungspolitische Wege auszuloten – sofern die Rahmenbedingungen wie der einheitliche Bildungsplan eingehalten werden. „Niemand hat die Weisheit mit Löffeln gefressen – wir brauchen Versuche, um neue Wege auszuloten“, so Stober. Der auch in Karlsruhe bereits eingeschlagene Weg mit der Umwandlung der Hauptschule in eine Werkrealschule sei allerdings ein Holzweg, befürchtet Staab. „Das ist lediglich die Reaktion auf Dinge, die sich ohnehin in Schieflage befinden“, argumentierte sie. „Wir müssen agieren und einen baden-württembergischen Weg suchen“, so Staab.
Dieser Weg sollte auch die Pädagogen besser auf die heute gestellten Anforderungen vorbereiten, gab Rainer Daubenberger, geschäftsführender Schulleiter der Grund- und Hauptschulen in Karlsruhe, zu bedenken: „Viele Kollegen leiden bereits heute unter der Arbeit an der Schule, die neben fachlicher Kompetenz viel soziales Engagement und Empathie für die Jugendlichen einfordert.“