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Johannes Stober

Landtagsabgeordneter 2006 – 2016
Ein Rückblick auf 10 Jahre politische Arbeit.



Bildungsstreik-Interview: Studenten sind weder Chaoten noch Revolutionäre

ka-news - 08.12.2009

Link zum Artikel bei ka-news

Karlsruhe (ram) - Bereits zum zweiten Mal hielt der SPD-Landtagsabgeordnete Johannes Stober einen Vortrag im besetzten Hörsaal des KIT. Auch das dritte Treffen ist schon angedacht, doch für die geplante Podiumsdiskussion fehle noch eine Rückmeldung der Christdemokraten, so Stober und einige Studenten unisono.

ka-news: Wie schätzen Sie die Studenten ein - Chaoten oder Revolutionäre?

Stober: (lacht) Weder das eine, noch das andere. Es sind junge Menschen, die sich für bessere Studienbedingungen engagieren und sich mit den völlig unzureichenden Rahmenbedingungen des Bachelor-Master-Systems nicht zufrieden geben.

ka-news: Sie haben schon zu Beginn der Besetzung einen Vortrag gehalten. Was hat sich seither verändert?

Stober: Die Studierenden sind routinierter geworden und wissen, dass es lange Auseinandersetzungen werden, bis sich etwas ändert - trotzdem engagieren sie sich weiterhin. Auch wenn einige inzwischen zugeben, dass sie nach mehreren Hörsaalübernachtungen ihr eigenes Bett zu schätzen wissen (lacht).

ka-news: Bildung ist Ländersache. Also: Was können Sie im Landtag konkret für die Studenten erreichen?

Stober: Die Länder haben seit der Föderalismusreform inzwischen die notwendigen Gesetzgebungskompetenzen und können sogar Regelungen im Hochschulrahmengesetz außer Kraft setzen. Somit könnte es der baden-württembergische Landtag ermöglichen, dass alle Studierenden, die ihren Bachelor erfolgreich absolviert haben, einen Master-Studienplatz bekommen.

ka-news: Würden bei einem entsprechenden Antrag alle Fraktionen im Landtag mitziehen?

Stober: Wir hatten als SPD so einen Antrag im Wissenschaftsausschuss des Landtags schon eingebracht - er wurde von CDU, FDP und Grünen abgelehnt. Manche Politiker finden zwar offenbar schöne Worte für Studenten, sind zu den notwendigen Taten aber noch nicht bereit.

ka-news: Welche Forderungen der Studenten sind umsetzbar, welche nicht?

Stober: Es sind fast alle Forderungen umsetzbar: Studiengebühren können abgeschafft, Veränderungen im Bachelor-Master-System vorgenommen und eine Verfasste Studierendenschaft eingeführt werden. Das alles könnte der Landtag von Baden-Württemberg morgen schon beschließen.

ka-news: Sind die Proteste Ausdruck der Verärgerung einer Mehrheit - oder, wie CDU- und FDP-nahe Hochschulgruppen behaupten, einer lautstarken Minderheit?

Stober: Eindeutig die Verärgerung der Mehrheit. Ich finde es nicht in Ordnung, dass CDU-Vertreter immer wieder versuchen, die große Mehrheit der Studierenden in die extremistische Ecke zu schieben, wo sie definitiv nicht hingehören.

ka-news: In Tübingen und Frankfurt schritt die Polizei ein - Ihrer Meinung nach berechtigt?

Stober: Ich weiß nicht, was dort jeweils konkret vorgefallen ist, halte es aber für problematisch, wenn es statt notwendiger Diskussionen zu Gewalt kommt. Äußerst positiv empfinde ich jedoch, dass Tübingen und Frankfurt offenbar die Ausnahme darstellen und die Proteste ansonsten friedlich verlaufen.

(Interview: Ramona Deeg)